Chronik der Schule

Ehringsdorfer Schulchronik

Am Anfang des vergangenen Jahrhunderts stand das damalige Schulhaus am Schulplatz, dem heutigen ‚Anger‘, neben der Dorfkirche. Dieses Gebäude, heute im Besitz der Familie Höpfner, reichte damals für das kleine Dorf als Schule mit nur einem Klassenraum, in dem den Schülern bis zur 8. Klasse Unterricht erteilt wurde, und einer Lehrerwohnung aus. Doch Ehringsdorfs Einwohnerzahl wuchs, die Schule kam an ihre Kapazitätsgrenze – eine neue Schule musste gebaut werden.

1902 bis 1903
Das heutige Schulgebäude in der Weimarischen Straße wurde als Backsteinbau mit zunächst zwei Klassenräumen und zwei Lehrerwohnungen errichtet. Am 29. September 1902 bot Herr Leutnant Heydenreich an, zum Richtfest des Schulneubaus das Bier (…) unentgeltlich zu liefern, während die Gemeinde die Kosten für das Essen (je Gedeck 75 Pfennige – das war damals viel Geld) übernahm. Gemeinderat und Schulvorstand wurden zu diesem Feste eingeladen. Die Glaserarbeiten am Schulneubau wurden am 28. November 1902 Herrn Bürgermeister Merkel übertragen. Der Bürgermeister wurde am 28. Mai 1903 vom Gemeinderat beauftragt, für die neue Schule Schulbänke und Pulte zu bestellen. Im weiteren Verlauf richtete Lehrer Müller folgende Frage an den Gemeinderat: „Welche Klassen sollen in dem neuen Gebäude untergebracht werden? Es sei mir der Wunsch gestattet, im neuen Gebäude wohnen und den von mir bisher benutzten und zur alten Wohnung gehörigen Garten weiter benutzen zu können.“ Der Gemeinderat legte fest, dass die I. Klasse mit ihrem Lehrer im alten Lokale verbleiben, während das neue Gebäude von den Lehrern der II. und III. Klasse mit betreffenden Kindern bezogen werden soll. Am 05. Juni 1903 wurde beschlossen, dass die Umfriedung des neuen Gebäudes in Eisen geschehen soll. Die feierliche Einweihung des neuen Domizils erfolgte am 24. August 1903 (ab 14.00 Uhr).

1904 bis 1939
Die weitere Geldaufnahme für den Schulneubau betreffend, beschließt der Gemeinderat am 03. März 1904: „Der Gemeindevorstand wurde ermächtigt, ein Bittgesuch an die Hohe Behörde um staatliche Beihilfe zu den Schulbaukosten einzureichen, desgleichen um Genehmigung einer neuen Anleihe in Höhe von 8.600 Mark sowie das gesperrte Grundvermögen von der Sparkasse zum Zwecke der Erwerbung des Bauplatzes zur neuen Schule zu verwenden.“ Am 05. August 1904 wurde beschlossen, dass dem 2. Lehrer, wie bereits für den ersten Lehrer, eine jährliche Entschädigung für Heizung des Schullokals genehmigt werden soll. Der Gemeinderat erteilte am 19.08.1905 die Genehmigung zum Verkauf des alten Schulgebäudes.
Oberweimar und Ehringsdorf wurden 1922 zu Vororten der Stadt Weimar und durch einen gemeinsamen Ortsvorsteher von Oberweimar aus verwaltet. Die Schulen beider Orte sollten zusammengelegt werden, was aber am Protest der Einwohner scheiterte. Erst im Jahre 1929 kam eine Einigung unter dem Namen Ilmschule zustande. Die Siedlung Siedlersfreud wurde gebaut, die Bevölkerungszahl wuchs. In Ehringsdorf mussten zwischen 1931 und 1933 die zwei Lehrerwohnungen im Backsteinbau in vier Klassenräume umgewandelt werden. Für die unteren Klassen galt die Koedukation, nur in den 5. bis 8. Klassen wurde nach Schülerzahl in je einer Mädchen- und Jungenklasse getrennt unterrichtet. Stets fand aber zwischen den Schulteilen je nach Bedarf ein Schüleraustausch statt. Der Schulweg zwischen der Ehringsdorfer und der Oberweimarer Schule war für die Schüler manchmal turbulent, wenn aus der Koppel der Ilmwiesen ausgebrochene Gutspferde die Pappelallee auf und ab galoppierten oder Pappelallee und ehemaliger Sandweg bei Hochwasser kaum begehbar waren. Die Weltwirtschaftskrise stürzte auch in Ehringsdorf viele Menschen in bittere Not, so dass die Familien an Hunger litten. Die hilfsbedürftigen Ehringsdorfer Schulkinder mussten so 1932 jeden Tag einen Emaillebecher mit in die Schule bringen. Sie bekamen eine Quäkerspeisung, die aus Kakao und einem Butterbrötchen bestand. An der Ehringsdorfer Schule unterrichtete der überzeugte Nationalsozialist Schorcht, der das goldene Parteiabzeichen trug und dessen Unterricht stark auf den Führer Adolf Hitler ausgerichtet war. Die Herrn Schorcht anvertrauten Kinder mussten häufig solche nationalistischen Lieder, wie „Unsere Fahne flattert voran“ und „Heilig‘ Vaterland in Gefahren, deine Söhne sich um dich scharen“ singen.

Kriegs- und Nachkriegsjahre
Da die Schule aus Mangel an Kohlen ab Januar 1941 nicht mehr geheizt werden konnte, bekamen die Schulkinder den ganzen schneereichen Monat über Kohleferien, die sie zum Schlitten fahren nutzten. In den ersten vier Monaten des Jahres beherrschte ein zunehmender Fliegeralarm das tägliche Leben. Frauen und Schulklassen wurden vermehrt zu Arbeiten vor allem auf dem Gut und im öffentlichen Dienst verpflichtet. Die Arbeit auf dem Gut wurde in der Mehrzahl von Polen (gelbes P) und Ukrainern (blaues O am Arbeitsanzug) ausgeführt. Der Gutsverwalter führte ein strenges Regime, aber es sind Aussagen überliefert, wonach er die Kriegsgefangenen gut behandelt haben soll. Zeitweilig belegten befreite Zwangsarbeiter bis zu ihrer Entlassung in die Heimat oder eingerückte Rotarmisten die Gebäude. Als der Schulunterricht wieder aufgenommen wurde, waren beide Schulen überfüllt. Durch die Aufnahme vieler Flüchtlinge und Umsiedler in beiden Vororten stieg die Schülerzahl auf 1400 in beiden Schulen an. 32 bis 35 Schulklassen mussten von 50 Lehrern in nur 12 Räumen unterrichtet werden.

1949 bis 1989
In den Jahren 1968 bis 1970 erfolgte der Schulneubau in der Belvederer Allee 40. Anlässlich des 85. Geburtstages von Ernst Thälmann wird dieser Schule bei einem Schulappell der Name „Ernst Thälmann Oberschule“ (POS Ernst Thälmann) verliehen. Das Einzugsgebiet verlagerte sich. Für die beiden alten Schulen in Oberweimar und Ehringsdorf war jedenfalls die Aufteilung günstig. Die Klassen 1 bis 3 wurden in Ehringsdorf, die 4. und 5. Klassen in Oberweimar und die 6. bis 10. Klassen im Schulneubau an der Belvederer Allee unterrichtet. Der Schulhort der Ehringsdorfer Schule, der seit 1948 existiert, befindet sich auch heute noch im Obergeschoss der ehemaligen Gaststätte „Zur Linde“.

1990 bis 2004
Wiedervereinigung Deutschlands und Einführung des dreigliedrigen Schulsystems. Die Ehringsdorfer Schule bleibt Lebensraum für die Klassen eins bis vier und wird eigenständige, zweizügige Grundschule, die im Februar 1991 in Grundschule Parkschule umbenannt wird. Zu diesem Zeitpunkt werden 185 Kinder von elf Lehrern unterrichtet und von vier Erziehern betreut.
Am 14. Mai 1992 gründet sich der Förderverein der Grundschule Parkschule durch Eltern, Lehrer und Erzieher.
In den Jahren 1993 bis 1995 erfolgte eine umfassende Schulsanierung: Heizung, Fenster, Dach und WC’s wurden erneuert, das Innere modernisiert und Brandschutztüren eingebaut. Mit der Schließung der Oberweimarer Grundschule An der Hart 1998 vergrößert sich der Schulbezirk um Gebiete Oberweimars und umfasst nun das gesamte Territorium von der Berkaer Straße und Sackpfeife über Belvedere, Ehringsdorf, Teilen von Oberweimar bis einschließlich Taubach. Im Schuljahr 2000/01 musste noch eine vierte Klasse ausgelagert in Räumen der ehemaligen Schule an der Hart unterrichtet werden.
Die langjährige Schulleiterin, Frau Ingrid Becker, welche die Umstrukturierung geleitet und begleitet hat, beendet am 31. Januar 2002 ihre aktive Schullaufbahn und geht in den wohlverdienten Ruhestand. Frau Margrit von der Gönna tritt am 11. Februar ihre Nachfolge an.
Im Dezember 2002 beginnt die Sanierung des Nebengebäudes der Schule mit der Dachsanierung. Gleichzeitig wird der Außenputz abgeklopft. Die Gesamtsanierung des ehemalige Schulgebäudes – von den Kindern Hexenhaus genannt – mit Einrichtung zweier Klassenräume, einem Werkraum, einem kleinen Computerraum und einer Schülerküche sollte bis zum Schuljahresbeginn 2003 / 2004 abgeschlossen werden, doch es kam zunächst anders. Der Stadt Weimar ging das Geld aus und der Baubeginn verzögerte sich bis Mai 2003, und das ersehnte Ende wurde auf den Unterrichtsbeginn nach den Herbstferien festgelegt. Beide dritten Klassen mussten über das Schuljahresende hinaus im ca. einhundert Meter entfernten Hortgebäude unter sehr beengten Verhältnissen unterrichtet werden.
Trotz aller Widrigkeiten wird vom 30. Juni – 04. Juli 2003 der 100. Geburtstag unseres Schulgebäudes mit großer Unterstützung des Fördervereins, der engagierten Elternschaft und Sponsoren aus der regionalen Wirtschaft gefeiert.

2005 bis heute
Im Zuge weiterer Erneuerungen bekam das gesamte Schulhaus Brandschutztüren. Bedingt durch diesen Umbau musste das langjährige Lehrerzimmer weichen und wurde in der oberen Etage integriert. Auf Grund weiterer brandschutztechnischer Vorgaben bekam das Haupt- sowie Nebengebäude eine Brandschutztreppe, welche im Hauptgebäude umgangssprachlich als „Gangway“ betitelt wird. Diese verbindet das Hauptgebäude mit dem ab 2009 neu errichteten Pavillon. In Verbindung mit dem alljährlichen Kinder-Schulfest feierten Schüler, Eltern, Erzieher und Lehrer am 01. Juni 2010 seine Einweihung. Nun konnte der Hort zum Schuljahr 2010/2011 wieder in das Schulgelände übersiedeln.

Die Schulleiterin, Frau Margit von der Gönna, wurde am 31.07.2011 feierlich in den Ruhestand verabschiedet.  Zu Beginn des Schuljahres 2011/2012 übernahm Frau Kus-Trensch die Leitung der Schule. Im Oktober wurde unser Pausenhof um ein neues Seilklettergerüst erweitert.
Gemeinsam mit den Schülern der This weihte die Parkschule im Januar 2012 die neue Turnhalle an der Belvederer Allee ein. Die Hufeland- Trägergesellschaft kaufte 2011 ein 4560 qm großes Grundstück, auf dem ein „Naturerlebnisgarten“  mit integriertem Schulgarten für die Schüler der Parkschule entstanden ist. Wir konnten  im November 2013 unseren Kompothron, eine Biotoilette, einweihen. Eine Kräuterspirale und Sitzmöglichkeiten für ein „Grünes Klassenzimmer“ wurden von unserem Architekten, Herrn Brehme, geschaffen. Derzeit befindet er sich in der Planungsphase für einen Spielplatz, dessen Bau im Frühjahr 2014 beginnen soll.
Zu Beginn des Schuljahres 2012/2013 übernahm Frau Küthe die Leitung der Schule.